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Wie so vieles Elend in der Welt liegt auch dieser Geschichte einmal mehr ein Vater-Sohn-Konflikt zugrunde. Karl V. (1500 – 1558) hatte irgendwann genug von seinem aufsässigen Sohn, Philipp II. Um ihn loszuwerden und zu verhindern, dass der Sohn versuchen möge, durch einen vorzeitig herbeigeführten Tod des Vaters an den Thron zu kommen, übergab er ihm 1555 Spanien, Mailand, Neapel, Sizilien, Sardinien und die Niederlande. Anstatt sich in der mediterranen Sonne zu aalen, hatte Philipp nichts Besseres zu tun, als seine neuen Reiche tyrannisch zu unterdrücken. Während die Mailänder sich der Kunst hingaben, die Nepalesen erste strukturierte Verflechtungen diverser verbrecherischer Familien planten und die Sizilianer schon mal zur Freude späterer Touristen Amphoren in der lehmigen Erde vergruben, versuchten die Niederländer alles, um Philipp wieder loszuwerden. Das passte diesem erwartungsgemäß wenig, so dass der den aufrührerischen Niederländern den Herzog von Alba auf den Hals schickte. Da ließen diese aber nicht lange mit sich spaßen, legten die Blumenzwiebeln beiseite, griffen zu Stock und Schwert und riefen „Krieg“! Etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts hatten sie die Spanier dann endgültig vor die Deiche gesetzt.Was aber machten die Holländer nach all den Jahren der Entbehrungen? Das gleiche, was wohl jeder von uns getan hätte: Sie aßen sich mal wieder richtig satt. Aufblühend zu einer der führenden Seemächte Europas begann in den Niederlanden das „Goldene Zeitalter“. Und so wie man auch noch heute in dem kleinen Land am Meer gerne allerlei Gebackenes, Frittiertes und Zerkochtes zubereitet, war es auch damals schon. Nur noch viel schlimmer! Alsbald war die Bevölkerung krank, krampfte sich herum und stöhnte über die Schmerzen in den Verdauungsorganen. Da eilte ihnen jemand zu Hilfe: Franziskus Sylvius de Bove, Professor an der Universität Leyden.

Dieser experimentierte etwa um das Jahr 1600 herum mit Mais, Wacholder, Gerste und Roggen. Sein Ergebnis – einen klaren Wacholderbranntwein, der die Verdauung anregte – nannte er „Geniève“, das sich vom lateinischen „iuniperus“ ableitet und „Wacholder“ heißt.

Und so genießt man auch noch heute traditionell in den Niederlanden in seiner Stammkneipe oder auch mit Freu(n)den zuhause ein Glas Genever. Dabei steht beim jonge Genever mehr die Wacholdernote im Vordergrund, beim oude eher der „moutwijn“, der Malzwein. Passend zum jonge und oude Genever haben die Holländer dann auch gleich den jonge und oude Gouda erfunden.Jetzt wissen wir aber immer noch nicht, wie das Elend auf die Insel kam.
Das passierte 1688. Zu der Zeit regierte in England Jakob II, seines Zeichens den Franzosen und den Katholiken sehr zugetan. Mit beiden hatten aber die Engländer nichts an der späteren Melone, so dass die Opposition den Protestanten Wilhelm von Oranien um Hilfe bat. Der kam mit 15000 Mann, vertrieb den frankophilen Jakob und ließ sich zum Dank auch gleich die englische Krone aufsetzen. Im Rucksack hatte er damals den Genever, der alsbald zum Kultgetränk der englischen Gesellschaft avancierte. Geholfen hat dabei sicher nicht unwesentlich, dass Wilhelm zeitgleich die französischen Getränke mit immensen Steuern belegt, so dass er den Engländern zumindest zeitweise das Champagnertrinken verdarb. Wo die Engländer doch schon seit 1662 mit der zweiten Gärung experimentierten und auch festere, der Flaschengärung standhaltende Glasflaschen entwickelten. Aber davon ein anderes Mal mehr…
Da aber die Steuerpolitik Wilhelms nicht so ganz ausgereift war, wurde Bier gegen Ende des 17. Jahrhunderts sehr viel teurer als Genever, der dann in rauen Mengen von der armen englischen Bevölkerung getrunken wurden. Da die einfachen Schichten des Französischen nicht mächtig waren und auch betrunken kaum noch in ihrer eigenen Landessprache lallen konnten, verkürzten sie den Namen des Getränkes alsbald auf „Gin“. Wie eine Epidemie breitete sich die billige Tunksucht in England aus und vernichtete ganze Straßenzüge. Ähnliches erlebten nur noch die Franzosen um 1900 herum, als der Absinth das halbe Land in Alkoholleichen verwandelte. Am Ende des 17. Jahrhunderts trank man in England 2,5 Millionen Liter Wacholderbrand – um 1730 waren es schon 25 Millionen, in den 40er Jahren bereits 100 Millionen Liter pro Jahr. Angeblich war in Westminster in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts jedes vierte Haus eine Schnapskneipe in der sich das Proletariat bis zum Erbrechen berauschte.

Das ist heute zum Glück anders geworden. Wir trinken unseren Gin gepflegt als Gin Tonic oder Gin Fizz und manchmal, wenn wir des Kochens mit Wein müde geworden sind, verarbeiten wir ihn als Bestandteil in Kräutersaucen:

1 Schalotte in Butter glasig andünsten und mit einem großzügigen Schuß Gin ablöschen. Einkochen lassen. Mit Gemüsefond ablöschen und wieder einkochen lassen. Das 2 x wiederholen. Dann etwas Sahne angießen und ein wenig einkochen lassen. Ein großes Bund glatte Petersilie waschen und kleinhacken. Dann in der nicht mehr kochenden Sauce pürrieren. Salzen, pfeffern und durch ein Sieb streichen. Etwas Gelespessa oder kalte Butter mit der Schlagscheibe des Zauberstabes einmontieren und aufschäumen.

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